Kultur im Klostergarten
Im Sommer finden jährlich zwei Veranstaltungen im Klostergarten vor der Kulisse der historischen Gebäude des ehemaligen Benediktinerinnenklosters statt.
Am ersten Sonntag im Juni beteiligt sich die Gemeinde mit dem Heimatverein am „Tag der Gärten und Parks“. Neben zwei Führungen durch die Gartenanlage – in der Regel mit musikalischen Beiträgen – gibt es nachmittags ein Café am Gewölbekeller, das von den Herzebrocker Landfrauen betreut wird.
Geplant wird jährlich auch eine Literaturwanderung durch den Klostergarten. Neben Textlesungen mit Lyrik oder Prosa an verschiedenen Stationen in der ehem. Klosteranlage gibt es auch ergänzende musikalische Programmpunkte, die zum "Nachdenken" des Gehörten anregen sollen.
Literaturspaziergang am 4. Juli 2025
80 Teilnehmer erleben vergnüglichen Abend
„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt.“ Mit diesem Zitat von Joachim Ringelnatz hat der Herzebrocker Heimatverein am 4. Juli zu einem Literaturspaziergang mit Musik in den Klostergarten eingeladen. Mehr als 80 Interessierte folgten der Einladung zu einem unterhaltsamen Sommerabend mit Literatur und Musik.
Sie erlebten ein hochkarätiges Programm mit begeisternden Interpreten. Der Schauspieler Jürgen Keuchel rezitierte nicht nur bekannte und weniger bekannte Gedichte und Geschichten, sondern wartete auch mit eigenen Gedichten auf, die in Sachen Wortakrobatik, Witz und doppelbödigem Humor den bekannten Vorbildern durchaus gleichkamen. Für die musikalische Begleitung sorgten das Flötenensemble „Flautista Allegre“ und ein Gitarrenensemble der Musikschule für den Kreis Gütersloh.
Judith Ahlke, die sich für die Gestaltung und Organisation des Abends verantwortlich zeichnete, begrüßte am Kirchplatz die große Gruppe und ging kurz auf die Geschichte des ehemaligen Klosters und des Klostergartens ein und stellte die Interpreten vor. Die ausgewählten Texte sollten Spaß machen und zum Nachdenken anregen.
Der Spaziergang startete im Kreuzgangrelikt. Dort erwartete das Flötenensemble „Flautista Allegre“, bestehend aus Lehrerinnen und Lehrern der Musikschule für den Kreis Gütersloh, die vielen Zuhörer. Nach der ers ten musikalischen Darbietung des Quintetts eröffnete Jürgen Helmut Keuchel das literarische Programm unter anderem mit dem „Gebet des älter werdenden Menschen“ von Teresa von Avila (1515 bis 1582). Damit die Zuhörer wussten, mit wem sie es an diesem Abend zu tun hatten, ging er humorvoll auf seine eigene Vita ein.
Geboren 1955 in Bützow in Mecklenburg-Vorpommern, war Keuchel nach seiner Ausbildung an der staatlichen Schauspielschule in Rostock an den Schauspielhäusern in Nordhausen und Bautzen tätig und bis zu seinem Ruhestand mehr als 30 Jahre lang Ensemblemitglied am Hessischen Landestheater Marburg.
Sein Humor verfing bei den Zuhörern, die bei den von ihm meisterlich vorgetragenen Gedichten und Texten passend schmunzelten und lachten, teilweise bekannte Zeilen mitzitieren konnten. Bei jeder Etappe überraschte der Künstler die Gruppe auch mit mindestens einem „Keuchel“, einem eigenen humoristischen Gedicht, das immer eine überraschende Pointe bot.
Das Flötenensemble unter Leitung von Sabine Seipelt hatte seine Musikauswahl auf die einzelnen Etappen und Orte abgestimmt. Sabine Seipelt gab den Zuhörern an einzelnen Stellen kurze Erläuterungen und so überraschte Schuberts „Forellenquintett“ am Fischteich zum Beispiel als Tango.
Nach dem etwa eineinhalbstündigen Literaturspaziergang mit Musik durch den Klostergarten gab Jürgen Keuchel im Gewölbekeller noch Kostproben seiner „Schneckenweisheiten“ zum Besten – einige davon im durchaus verständlichen Mecklenburger Platt. Dort sorgte ein Gitarrenensemble unter der Leitung von Osvaldo Hernandez Rodriguez zusammen mit Sabine Seipelt, Querflöte, für die musikalische Abrundung.
Die Zuhörer waren begeistert und spendeten reichlich Applaus, für den es eine musikalische Zugabe gab. (Text: Michael Wöstheinrich)
Literaturspaziergang 2024 mit Musik
Unterwegs mit Morgenstern, Ringelnatz und Kästner
„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ – mit diesem Zitat von Joachim Ringelnatz hatte der Herzebrocker Heimatverein zu einem Literaturspaziergang mit Musik am 5. Juli 2024 in den Herzebrocker Klostergarten eingeladen.
Trotz des gleichzeitig laufenden Fußball-EM-Spiels, bei dem die deutsche Mannschaft ihren Einstieg ins Viertelfinale verpasste, kamen zu der von Judith Ahlke organisierten Veranstaltung zahlreiche Interessierte und ließen sich von den beiden eingeladenen Künstlern aufs Beste unterhalten. Die Worte steuert der Schauspieler und Humorist Jürgen Helmut Keuchel bei, am Saxophon begleitete Werner Fiedler den Literaturspaziergang.
Jürgen Helmut Keuchel rezitierte Autoren wie Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Robert Gernhart, Fritz Eckenga und andere. Zu Beginn im angedeuteten gotischen Kreuzgangrelikt bei der Kirche las er ein Gebet von Teresa von Avila.
Oft hatte er bekannte Gedichte und Geschichten, Wortakrobatik und gepflegtem Nonsens ausgewählt und es schien ihm sichtlich Spaß zu machen, wenn er die Zuhörerschaft dabei beobachtete, wie diese die von ihm meisterlich vorgetragenen, oft allgemeingültigen Worte leise mitsprachen. Bei jeder Etappe überraschte der Künstler die Gruppe mit mindestens einem „Keuchel“, einem eigenen humoristischen Gedicht, das fast immer eine aktuelle, zeitgemäße Pointe bot.
Eine Kostprobe:
Einer Schnecke wohlgesinnt
Fragte kurzerhand ein Kind
Und völlig unbenommen
"Wie willst Du vorwärts kommen?"
Der Schneck ganz im Geheimen
"Wie die Menschen, durch Schleimen!"
Jürgen Helmut Keuchel, geboren 1955 in Bützow in Mecklenburg-Vorpommern, war nach seiner Ausbildung an der staatlichen Schauspielschule in Rostock an den Schauspielhäusern in Nordhausen, und Bautzen tätig gewesen und war über 30 Jahre lang Ensemblemitglied am Hessischen Landestheater Marburg.
2021 brachte er „Schneckenweisheiten oder: Das Mittel gegen Einsamkeit“ auf die Bühne. In der In der als Broschüre veröffentlichten, inzwischen vergriffenen Sammlung nähert sich Keucheldurch Humor und Allegorien den ganz großen Themen des Lebens und reiht sich damit nahtlos ein in die „Alltagslyrik“ der literarischen Vorbilder.
Bei dem Spaziergang durch den Herzebrocker Klostergarten, der im Gewölbekeller zu Ende ging, wurde daraus eine interessante Mischung von wohlbekannten und neuen Denkanstößen.
Tag der Gärten und Parks am 9. Juni 2024
Der Herzebrocker Klostergarten und seine Bäume
Der Tag der Gärten und Parks am 9. Juni stand im Herzebrocker Klostergarten ganz im Zeichen der Bäume. Während der beiden Führungen durch die gesamte Klosteranlage informierte Ortsheimatpfleger Karl-Hermann Schlepphorst an insgesamt 14 Stationen über markante Einzelbäume und auch über Baumgruppen, die die Gartenanlage prägen.
In den Erläuterungen ging es um den alten Baumbestand, aber auch um Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und Fragen, die sich auf den Zustand der Bäume und ihre künftige Entwicklung beziehen.
Beeindruckend war für die Insgesamt 35 Teilnehmer insbesondere die vorhandene Anzahl von über 70 Obstbäumen, verteilt auf über 30 Sorten. Die Erläuterungen waren weniger auf botanische, wissenschaftliche Fakten ausgerichtet. In den Blick genommen wurde eher die Bedeutung der Bäume für den Menschen im Allgemeinen und für das gestalterische Gesamtbild der Klosteranlage. Das ein oder andere Zitat aus der Literatur sollte Gedankenanstöße für den Rundgang liefern.
„Wenn ich wüsste, morgen ginge die Welt unter, so pflanzte ich heute noch einen Apfelbaum“ - Martin Luther
„Ein Baum, dessen Zweige von untern bis oben, die ältesten wie die jüngsten, gen Himmel streben der seine 300 Jahre dauert, ist wohl der Verehrung wert.“ – Johann Wolfgang von Goethe
„Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit.“ – Hermann Hesse
Zahlreiche Radler und Tagesbesucher genossen wieder Kaffee und Kuchen im Café der Herzebrocker Landfrauen am Gewölbekeller des Klosternordflügels.
Liedermacher Josef Wöstmann sorgte mit seiner Gitarre und Gesang für einen angenehmen musikalischen Hintergrund, ließ aber auch den ein oder andere Song zum Thema „Bäume“ erklingen.
„Sagenhaft“-Konzept geht auf - Literaturspaziergang mit Musik begeistert
Geschichtlich nicht verbürgt, volkstümlich, humorvoll, schaurig, übersinnlich, mysteriös – und doch: So könnte es gewesen sein? Dem wollten an die 70 Personen auf den Grund gehen, die sich am 23. Juni abends am Bronzerelief an der Pfarrkirche St. Christina zum diesjährigen Literaturspaziergang mit Musik des Heimatvereins Herzebrock trafen. Schriftführerin Judith Ahlke hatte Sagen und Legenden aus der Herzebrocker Klosterzeit ans Licht geholt, die aus der Sammlung des Rektors Johannes Cremer stammen und in einer Bearbeitung von Dr. Ludwig Humborg 1960 zum1100-jährigen Jubiläum von Herzebrock veröffentlicht wurden.
„Sagenhaft“ stieß bei bestem Sommerwetter auf eine ebensolche Resonanz. Nach einer kurzen Einführung mit Wissenswertem zur Herzebrocker Klosteranlage ging es zusammen mit Radiomoderator Matthias Traeger, der die Sagen um die Bilderstürmer von Herzebrock, Wasemanns Kirchhof in Quenhorn, den Galgenknapp im Boland und die Glockenkuhle vortrug, über verschiedene Stationen durch den Klostergarten. Keine einseitige Sache, denn Namen und Orte in den Sagen regten zum Erinnern und Nachfragen an.
Gleich am Eingang in die Gartenanlage empfing der Saxophonist Werner Fiedler die Spaziergänger mit „Summertime“ und sorgte mit seiner musikalischen Begleitung für die locker-angenehme Atmosphäre im Wechsel mit dem Gehörten. Die Stücke hatte er passend und mit Augenzwinkern auf die Texte abgestimmt. So spielte er „Fly me to the moon“, während die Diebe der Kirchenglocken laut Sage in der Glockenkuhle versinken, denn „We stiählt, de fällt! De Düwl en hält!“
Im Rosengarten adaptierte er das Chanson „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Hier wartete das Programm nicht mit einer Sage, sondern mit einem Märchen auf: „Dornröschen“ nach den Gebrüdern Grimm mit weiter interpretiertem Ausgang.
Bei der vorletzten Station im Kreuzgang-Fragment ging es um die Sage, wie das Haupt der Heiligen Christina nach Herzebrock gekommen ist. Die Kirchenpatronin stand auch im Zentrum der letzten Station des Spaziergangs, der vor dem Christinenaltar in der Pfarrkirche St. Christina endete. Im Zusammenspiel mit Gerd Hunkenschröder erzählte Judith Ahlke hier die Legende um deren unendliches Martyrium, das auch auf den Altarbildern dargestellt ist. Eingebunden war die Holzschatulle, in der die Schädelreliquie der Heiligen Christina von Bolsena früher in der Pfarrkirche aufbewahrt worden ist.
Das Programm, die Orte und das gelungene Zusammenspiel aus Moderation, Rezitation, Gespräch und Musik begeisterten die Teilnehmer. (ja)
"Sommerlaune" - Literaturspaziergang mit Musik durch den Klostergarten am 24. Juni 2022
„Sommerlaune“ war der Literaturspaziergang überschrieben, auf den sich am 24. Juni Helga Gosau und Rainer Moritz abends auf Einladung des Heimatvereins Herzebrock mit gut 25 Besuchern durch den Herzebrocker Klostergarten aufgemacht haben. Die Sommerlaune meinte es ganz ohne Donnerwetter gut mit den Kulturinteressierten und bot einen sonnigen Abend als Rahmen für ein perfekt auf die Besonderheiten der verschiedenen Gartenräume abgestimmtes Programm.
Seit mehr als zehn Jahren bringt Helga Gosau ihre Ideen und Gedanken in Versform zu Papier, die seit 2014 auch in Buchform veröffentlicht sind. Alle Themen des Menschseins, der Natur und des Lebens verarbeitet sie dabei sensibel, hintergründig und mit Humor. Um „Steine“ als naturgeformte Schätze, die Schutz und Stütze bieten, ging es zum Auftakt des Spaziergangs im fragmentarisch erhaltenen Kreuzganghof. Dort „Angekommen“ zu einem Moment der Ruhe im „Schatten“ bei Gedanken zur „Erde“ und der Bedeutung des Menschseins. Rainer Moritz gestaltete die Übergänge zwischen den Gedichten hier musikalisch mit Saxophon-Improvisationen.
Am Teich angekommen ging es um „Frühlingshauch“, „Bäume“, „Wasser“ und Vogelgesang: „(…) doch drängte sich massiv und laut das Gurren einer Taube (…)“, rezitierte Helga Gosau gerade, während zeitgleich die Tauben gurrten. Rainer Moritz trat mit ihnen auf der Flöte in einen Wettstreit und spielte unter anderem Volkslied-Improvisationen mit Walzerrhythmen auf dem Akkordeon. Das Publikum ging begeistert darauf ein.
Auf der Obstwiese kreisten die Themen der Gedichte um die Kindheit, das Versteckspiel, den Zeitgeist und den Kirschbaum. „Es sind viele Wege, die wir durch das Leben gehen. Nicht immer sind diese Wege einfach, nicht immer ist man auf Rosen gebettet“ meinte Helga Gosau beim Eintritt in den Rosengarten, wo sie „Blumenkind“, „Wege“, „Moment“ und „Geistiges Heil“ rezitierte.
Der Spaziergang endete im Gewölbekeller mit Versen zur „Musik“, begleitet mit dem Saxophon. Rainer Moritz untermalte „Sehnsucht“ mit sphärischen Klängen eines Monochords. Die Spaziergänger zeigten sich berührt und zollten reichlich Beifall für die musikalisch verstärkten gedanklichen Impressionen in der natürlichen Kulisse des Klostergartens.
„Vogelkonzert
Der weite Himmel voll Gesang
von allen Vogelstimmen
im Morgengrauen fing es an
dies wunderbare Singen
Doch drängte sich massiv und laut
das Gurren einer Taube
als wäre rein die Welt gebaut
allein für ihre Haube
Ich wartete stille mit Geduld
dass ihre Kraft ausginge
um zu genießen in aller Huld
das fröhliche Gesinge
Fast siebenmal und manchmal mehr
im Rhythmus eins zu drei
die Taube gurrt und stört so sehr
bald ist das Konzert vorbei
Die leisen Töne klingen schön
wenn sie gemeinsam singen
die Schwingung trägt durch alle Höhen
und lässt die Nacht ausklingen
Helga Gosau
Die Interpreten:
Helga Gosau schreibt seit 2011 lyrische Texte, die überwiegend im Karin Fischer Verlag veröffentlicht worden sind. Bisher sind folgende Bände erschienen: Herbstsonne (2014), Schlüssel Licht (2018), Weiße Knospe öffnet sich (2018), Schwingende Herzen (2019) und Im Atem des Lebens (2020). Bei ihren Lesungen wird sie in der Regel auf dem Klavier begleitet. Oder in harmonischem Zusammenspiel mit Rainer Moritz.
Rainer Moritz ist seit einem Jahr als Bezirkspfarrer der evangelischen Versöhnungsgemeinde in Herzebrock-Clarholz tätig, nachdem er zuvor 25 Jahre Pfarrer in Rheda-Wiedenbrück war. Musikalisch und Musikbegeistert spielt er mehrere Instrumente.
Tag der Gärten und Parks am 12. Juni 2022
Am 12. Juni, dem Tag der Gärten und Parks, fanden nach zwei Jahren coronabedingter Pause auch im Klostergarten in Herzebrock wieder Führungen statt. Zahlreiche Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, bei den zwei Rundgängen Wissenswertes zu den Anlagen zu erfahren.
Karl-Hermann Schlepphorst, Ortsheimatpfleger und ehemaliger Bauamtsleiter, leitete die etwa anderthalbstündigen Spaziergänge, durch die einzelnen Bereiche der Gartenanlage. Im Mittelpunkt standen neben geschichtlichen Hintergründen zum früheren Benediktinerinnenkloster die Planungen und Umgestaltungsmaßnahmen der Anlage zwischen 2002 und 2005.
An ausgewählten Stellen des Gartens erlebten die Besucher die Brüder Lars und Lennart Haverland an Saxophon und Klarinette, die Klänge mischten sich mit den optischen Eindrücken des Kreuzganghofs, der Teiche und des Rosengartens – und das bei bestem Sommerwetter.
Vom Wetter profitierten auch diesmal wieder die Herzebrocker Landfrauen, die am Gewölbekeller des Klosters traditionell ein Café eingerichtet hatten. Beim Angebot von Kaffee und und leckerem Kuchen waren die Plätze an den Tischen auf dem Rasen immer gut besetzt. Werner Fiedler, bekannt unter anderem aus dem Harsewinkeler Farmhouse-Jazzclub, sorgte mit seinem Saxophon musikalisch für lockere Unterhaltung.



Literaturspaziergang mit Musik durch den Klostergarten am 11. September 2021
Muße und Entspannung, Fragen und auch Antworten, auf jeden Fall viele Denkanstöße, manchmal zum Schmunzeln und meistens mit Nachklang, das bot ein Literaturspaziergang mit Musik am Abend des 11. Septembers durch den Herzebrocker Klostergarten. Karl-Hermann Schlepphorst hatte ihn für die Reihe „Kultur am Kloster“ des Heimatvereins Herzebrock organisiert und dafür Michael Wöstemeyer, Autor und Rezitator aus Verl sowie das ebenfalls aus Verl stammende Querflötenensemble „Flötissimo“ gewonnen.
An fünf Stationen mit besonderen Gartenansichten setzten sie verschiedene Themenschwerpunkte in Szene. Beginnend am Torbogen zum Eingang vom Kirchplatz auf den Ehrenhof, führte der Spaziergang zur ersten Station, dem Kreuzgangfragment, wo „Flötissimo“ die Spaziergänger mit dem „Präludium zum Te Deum von Charpentier“ erwartete. Hier ging es um den Themenschwerpunkt Sehnsucht.
An der Teichbühne beleuchteten die Texte unterschiedliche Facetten der Natur, wobei „Flötissimo“ von einer Brücke im Hintergrund eine „Berceuse“ spielte. „Meine kleine Welt“ rezitierte Michael Wöstemeyer an der Gräfte. Nicht von ungefähr zunächst auf Verler Plattdeutsch, denn „da fühl ich mich zu Haus“. Hier spannten sich die Texte um des Lebens Fülle mit seinen Höhen und Tiefen zu den Klängen von „Scarborough Fair“.
Am großen Teich ging es um „Fremde Gärten“ und im Rosengarten drehte sich alles um „Chercher la femme“ im Wechsel mit Partien aus „Les Folies d’Espagne“ von M. Marais mit Christian Brunner an der Querflöte. „Flötissimo“ erwartete die Spaziergänger am Gewölbekeller mit Walzerklängen aus „Der Mond“ von F. Göttsche-Niessner. Mit Texten über Sehnsucht und Aufbruch und dem Lied „Abend wird es wieder“ endete der Spaziergang.
Als „natürlich, menschlich, spirituell“ bezeichnet Michael Wöstemeyer seine Texte. Sie sind in Form gebrachte persönlich geprägte Gedanken, die zum intensiveren Auseinandersetzen anregen und für jeden der Zuhörer Identifizierbares beinhalten. Die Atmosphäre aus Natur, Abendsonne, Musik und geistiger Inspiration machten den Literaturspaziergang zu einem besonderen Erlebnis.
Literaturwanderungen am 18. und 22. August 2020
„Mit Rilke durch den Klostergarten“
Stille – Wahrnehmungen – Resonanzen – Gedichte aus dem „Stunden-Buch“, „Aus dem mönchischen Leben“ und andere poetische Texte von Rainer Maria Rilke: Pfarrer Rainer Moritz aus Rheda führte bei zwei literarisch-musikalischen Rundgängen an den Abenden des 18. und 22. Augusts durch den Herzebrocker Klostergarten. Er rezitierte, interpretierte und veranschaulichte die Rilke-Texte als Vertiefungen zur Ich-Suche und Selbstfindung. Er stellte Verbindungen mit der Ausstrahlung der historischen Klosteranlage im Speziellen, aber auch mit dem Klosterleben im Allgemeinen her.
"Rilke ist ein Meister der Wahrnehmung", erläuterte Moritz und schilderte den österreichischen Lyriker als Menschen, der zwischen Hochstimmung und Depressionen schwankte; aus dem die Worte manchmal nur so herausflossen, der aber auch immer wieder unter Schreibblockaden litt. Was er trotz allem an Dichtkunst schuf, zieht die Zeitgenossen auch heute noch in den Bann.
Beide Abende wurden so für die zahlreichen Besucher zu einem stimmungsvollen, eindrucksstarken Gesamterlebnis aus gesprochenem Wort, visueller Wahrnehmung und musikalischen Improvisationen - auf verschiedenen Instrumenten dargeboten. Ein herzliches Dankeschön für diese inspirierenden Rundgänge gilt dem Ausführenden, dem Pfarrer, Rezitator und Musiker.
„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.“
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

























