Caspar-von-Zumbusch-Preis

Maler Wunderlich erhält Zumbusch-Preis 2025

Der Versmolder Maler Marvin Wunderlich ist am 26. Oktober in den Räumlichkeiten der Firma Johannes Lübbering GmbH mit dem Caspar-von-Zumbusch-Preis 2025 ausgezeichnet worden. Lieblingsmotive des 35-jährigen Nachwuchskünstlers sind einfache, schnörkellos gemalte, bunte Häuser. Diese hatten es auch der mehrköpfigen Jury angetan. Sie hatte Wunderlich aus mehreren Bewerbern ausgewählt.

Walter Ertmer, Kunstsachverständiger des Stiftungsbeirats und ehemaliger Kunstlehrer am Rhedaer Einstein-Gymnasium, hielt die Laudatio auf den Versmolder. Er sei sich mit dem Künstler einig, „dass das, was auf den ersten Blick naiv wirkt, eine Komplexität entwickelt, die darüber hinaus geht".

Ertmer erinnerte an die kreativen Kunsthistoriker Wilhelm Worringer und Wassily Kandinsky. Wie sie, sehe auch Marvin Wunderlich „Kunst und Kunstproduktion mit neuen, erweiterten Augen“, indem er nicht zeichnerisch raffinierte Naturmotive nachahme, sondern als Richtschnur und Erkennungsmerkmal für seinen Gestaltungsdrang „zweckmäßig konstruierten, kristallingefassten Bildmotiven“ folge. Wunderlich provoziere damit Fragen, was „hinter den augenlosen Häusern und in menschenleeren Bildräumen“ passiere.

Aus Sicht des Laudators erzeugt der Nachwuchskünstler mit seinen oft bonbonhaft wirkenden Häusermotiven in Öltechniken „Szenen der Vereinsamung, aber auch Situationen der Kommunikation im Spektrum seiner Bildwelten". Doch Ertmer räumte ein, dass bei seiner Beurteilung Fragen offen blieben: „Gewisse Geheimnisse der von Wunderlich präsentierten Welt werden hinter dem leuchtenden Farbauftrag seiner Gemälde verborgen bleiben. Unbeantwortete Gedankensplitter werden in die Abgeschlossenheit der Häuser unweigerlich mitgenommen.“

In einer Broschüre, die der Heimatverein und die Gemeinde zur zehnten Preisverleihung durch die Stiftung in kleiner Auflage herausgebracht haben, schreibt der Kunstsachverständige des Stiftungsbeirats: „Kunst ist stets der Spiegel ihrer Zeit... Mit der Preisverleihung möchte der Stiftungsbeirat auch die Auseinandersetzungen mit Entwicklung und Transformation der Künste fördern.“

Der 35-jährige Künstler trug sich anschließend als zehnter Preisträger ins Goldene Buch der Gemeinde Herzebrock-Clarholz ein. Bürgermeister Marco Diethelm (CDU) und der zweite Vorsitzende des Heimatvereins Herzebrock, Dr. Achim Brandenburg, assistierten dabei.

Die mit 2600 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 1980 alle fünf Jahre von der Caspar-Ritter-von-Zumbusch-Stiftung und der Gemeinde Herzebrock-Clarholz unter Mitwirkung des Heimatvereins Herzebrock vergeben. Geehrt werden junge Künstlerinnen oder junge Künstler aus dem Raum Westfalen (Regierungsbezirke Detmold, Arnsberg und Münster), der französischen Metropolregion St. Etienne oder der niederländischen Gemeinde Steenwijkerland. 

Cengiz Hartmann mit Caspar-von-Zumbusch-Preis 2020 ausgezeichnet

Der Caspar-von-Zumbusch-Preis 2020 ist mit einem Jahr Verspätung an den Bildhauer Cengiz Hartmann aus Detmold vergeben worden. Im Rahmen einer Festveranstaltung nahm der junge Künstler die Auszeichnung am 1. Oktober in Herzebrock entgegen.

Als Ort der Preisübergabe war der Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr gewählt worden. Direkt am Rathaus gelegen war der Raum groß genug, um dem kleinen Kreis geladener Gästen genug Raum zu geben – die Corona-Beschränkungen dauern eben noch an. Die Pandemie war auch der Grund, dass der Preis erst nach einjähriger Wartezeit an Cengiz Hartmann übergeben werden konnte.

Die Feier wurde musikalisch begleitet von Christian Ortkras, der am Piano zum Ein- und Ausklang sowie zwischen den Redebeiträgen zu hören war.

Zur Eröffnung richtete Bürgermeister Marco Diethelm den Blick auf Kunst in Corona-Zeiten: „Eigentlich sollte es einem Künstler doch ausreichen, seine Kunst für sich im Atelier zu schaffen, doch Kunst ist etwas, das Austausch braucht. dazu gehört nicht nur, dass ein Preis öffentlich übergeben werden kann, sondern auch, dass sie öffentlich gezeigt und diskutiert wird.“

Hans-Hermann Strickmann, Vorsitzender des Herzebrocker Heimatvereins, ging in seinen Grußworten auf die 1980 ins Leben gerufene Caspar-Ritter-von-Zumbusch-Stiftung und den Förderpreis für junge Künstler ein: „Der am 23. November 1830 in Herzebrock geborene Caspar von Zumbusch, der um die Jahrhundertwende zu den ganz großen Bildhauern gerechnet wurde, ist in der Zeit nach den Weltkriegen fast in Vergessenheit geraten und wir sind glücklich, dass seit Ende der 1970er-Jahre sein Leben und Werk erforscht und seit zehn Jahren im Zumbusch-Haus dokumentiert werden. Zu seinem Gedenken gründeten 1979 die Gemeinde Herzebrock-Clarholz und der Heimatverein Herzebrock eine Stiftung, aus deren Stiftungsvermögen alle fünf Jahre einem jungen Künstler oder einer jungen Künstlerin aus Westfalen oder den Partnerstädten Le Chambon-Feugerolles in Frankreich und Steenwijkerland in den Niederlanden ein Förderpreis verliehen wird. Der Preis ist mit 2600 Euro dotiert.“

Einige der Ausgezeichneten, so Strickmann, seien inzwischen Professoren, alle genießen als Kunstschaffende hohes Ansehen. Und von den bisher sieben Kunstlern und zwei Künstlerinnen ist je ein Werk gekauft worden; die Werke sind in einem speziellen Raum im Zumbusch-Museum ausgestellt.

An Cengiz Hartmann gerichtet meinte Hans-Hermann Strickmann: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie als Künstler viel Erfolg haben – ein Adelstitel, wie ihn damals Caspar von Zumbusch bekam, wird wohl heutzutage nicht mehr drin sein, aber ich wünsche Ihnen, dass Sie sich durch Ihre Kunstwerke adeln!“

Walter Ertmer, der Kunstsachverständige des Zumbusch-Preises, ordnete das künstlerische Schaffen von Cengiz Hartmann ein und zog auch Verbindungen zum Namensgeber des Preises. Zumbusch sei als weltberühmter Künstler seiner Zeit gleichzeitig heimatverbunden geblieben. In seinem Kunstschaffen habe sich handwerkliche Grundausbildung mit künstlerischer Gestaltungskraft verbunden. Und er habe neben solchen Zeitgenossen wie Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruck seinen Platz gehabt. Sein Historismus stehe in einem deutlichen Spannungsverhältnis zur heutigen modernen Kunstauffassung, doch mit Würdigung der damaligen Auftragssituation sei die Akzeptanz immer mit Blick auf die Konzeption der Betrachter zu sehen – damals wie heute.

Ertmer beleuchtete in seiner Laudatio die künstlerische Entwicklung des aktuellen Zumbusch-Preisträgers. Cengiz Hartmann, 1990 in Essen geboren, studierte von 2011 bis 2018 an der Hochschule OWL in Detmold und schloss mit dem Master of Arts im Fach Innenarchitektur – Raumkunst ab. Er lebt und arbeitet in Detmold. Im Studium prägten ihn Lehrende wie Martin Oxley, Thomas Kessler und Eva Filter, die zur Preisübergabe ihres ehemaligen Schülers nach Herzebrock gekommen war.

Am Beispiel des Objekts „Cabinet of emptiness“ erläuterte Walter Ertmer die künstlerische Zielsetzung Cengiz Hartmanns: „Das Lesen und Begreifen, mit den Händen denken, der im Experiment mit den sich durch Zeit- und Umwelteinflüsse verändernden Materialien entstehenden Prozess, all dies spielt eine Rolle. Es geht Cengiz Hartmann um das Erkennen, was für ein Kunstwerk sich im Material bereithält. Durch das Material wird eine Idee ermittelt, der dann ein offener Prozess der Auseinandersetzung folgt – sowohl beim Künstler wie auch später bei der Auseinandersetzung des Publikums mit dem Kunstwerk. Die prägnante, individuelle Sprache des Künstlers war die Grundlage für die Vergabe des Zumbusch-Preises 2020.“

Geehrt von so viel Zuspruch nahm Cengiz Hartmann vor der offiziellen Preisübergabe kurz selbst Stellung: „Ich möchte mich nicht deshalb bedanken, weil so etwas üblich ist, sondern weil ich mich wirklich sehr freue! Ich danke Walter Ertmer, weil ich mich in seinem Text zu meinem Katalog verstanden fühle. Als Künstler ist man im Zwiespalt, die eigene Arbeit zu beschreiben oder es zu lassen. Ganz ohne Erläuterungen erschließt sich Kunst nicht, und diese Grundlage schafft der Katalog hervorragend. Die individuelle Beziehung zum Kunstwerk ist natürlich das Wesentliche und das überlasse gerne ich den Besuchern der Ausstellung. Hier komme ich gerne mit Ihnen ins Gespräch.“

Und mit zwei Sätzen zur Ausstellung nahm Hartmann wieder die Begrüßungsworte des Bürgermeisters auf: „Ich hatte während des Lockdowns das große Glück, im Atelier weiterarbeiten zu können. Aber viele der entstandenen Stücke sind noch nie öffentlich gezeigt worden. Deshalb sind für mich diese Auszeichnung und die Ausstellungseröffnung jetzt so etwas wie ein Feiertag!“

Seit dem 2. Oktober sind die Werke des Preisträgers des Caspar-von-Zumbusch-Preises 2020 für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Kunstwerke von Cengiz Hartmann werden bis Ende des Monats im Foyer des Rathauses der Gemeinde Herzebrock-Clarholz zu sehen sein. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Oktober. Sie ist montags und dienstags von 8.30 bis 16 Uhr, mittwochs bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet. (woe)