Sagen und Legenden

Die Glockensage

Die Sage, die aus der historischen Klosterzeit stammt, handelt von einer Glocke der Herzebrocker Klosterkirche. Sie ist dem Volksmund nach vor vielen hundert Jahren in einem sumpfigen Teich nahe der heutigen Gütersloher Straße versunken.

Damals soll die Glocke noch schöner als alle anderen Kirchenglocken der Umgebung geklungen haben. Ihr Ruf soll weithin erklungen sein, als wenn man riefe: „We stiählt, de fällt! De Düwel en hält!“ (Wer stiehlt, der fällt! Der Teufel ihn hält!).

Die Sage erzählt: In einer stürmischen Nacht gelang es Ganoven, die Glocke mit Hilfe eines Wagens unbemerkt zu stehlen. Erst als eine junge Nonne zum Chorgebet läuten wollte, fiel der Diebstahl auf. Daraufhin folgten die Klosterknechte einer frischen Wagenspur. Sie befand sich ganz in der Nähe des Klosters. Als die Diebe, die noch nicht weit gekommen waren, die Windlichter ihrer Verfolger sahen, bogen sie ins Gebüsch ab. Durch die Finsternis erkannten sie den sumpfigen Teich nicht, in den sie samt der schweren Glocke versanken.

Der Legende nach spricht noch heute ein Mal jährlich eine Stimme aus dem Teich: „We stiählt, de fällt! De Düwel en hält!“ Da die Herzebrock-Clarholzer jedoch weder den Tag, noch die genaue Stunde kennen, an dem der Ruf aus dem Sumpf ertönt, können sie die Stimme auch nicht mehr hören.

 

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Adam und Eva

Sie gelten heute als Originale des Münsterlandes - das Landstreicherehepaar Adam und Eva. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zogen Anton Micheel und Maria Theresia Josepha Micheel, geb. Rickers, im heutigen Kreis Warendorf von Bauernhof zu Bauernhof, immer auf der Suche nach etwas Nahrung und einem schutzbietenden Plätzchen für die Nacht. Schon zu Lebzeiten haftete ihnen eine Art Legendenstatus an, dabei waren die beiden vor allem zwei "arme Teufel" auf der Walz. So jedenfalls bezeichnete sie der Warendorfer Publizist Rainer A. Krewerth, der dem ungewöhnlichen Paar ein ganze Buch gewidmet hat.

Was viele nicht wissen: Adam alias Anton Micheel, hatte seine Wurzeln in Herzebrock. Tönne, wie er genannt wurde, kam am 25. Juni 1855 als fünftes Kind des Schreiners und Landwirts Caspar Micheel in der Bauerschaft Pixel zur Welt. Sein Elternhaus an der Gütersloher Straße, das jahrelang die Getränkehandlung Bücker beherbergte, wurde im Jahr 2018 abgerissen.

Bereits als Jugendlicher arbeitete Anton als Bauernknecht in der benachbarten Bauerschaft Quenhorn und in Marienfeld. Krewerth beschreibt ihn als hageren, hochaufgeschossenen Mann, als etwas einfältigen Sonderling. "Er gilt als zuverlässig, tut und macht, was ihm aufgetragen wird, und sagt und fragt nicht viel. Er hält sich abseits und wird gelegentlich bespöttelt und verlacht", fährt Krewerth fort. "Ein spaßiger Kerl, der von jedermann in Bauerschaft und Dorf als Versager verlacht wird."

Vielleicht auch deswegen zieht es Tönne fort. Er arbeitet als Schneidergehilfe, lässt sich schließlich zwischen 1890 und 1895 als Schneider bei einem Meister Brandhove in Telgte nieder. In den Jahren danach ist er als Gehilfe der Zwirn- und Nadelkunst in Münster tätig. In dieser Zeit lernt er seine spätere Gefährtin kennen. Im Jahre 1897 heiraten Anton Micheel und Maria Theresia Josepha Rickers in der Ägidiikirche zu Münster.

Beide besitzen nur, was sie am Leib tragen. Für ein bürgerliches Leben sind sie nicht gemacht, fehlen ihnen die Mittel. Sie durchstreifen nun das östliche Münsterland, finden Unterschlupf in Feldscheunen, Viehställen und den Futterküchen der Bauernhöfe. Die Bauern dulden das Landstreicherpärchen, wissen sie doch, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Auch in Tönnes Heimat Herzebrock zieht es sie immer wieder mal. Berichten nach durchqueren sie das Dorf nur bei Dunkelheit. Am hellichten Tag soll man sie mit ihrem geflickten unförmigen Schuhwerk und abgetragenen Jacken, Joppen und Hüten nicht sehen. Sie wollen sich nicht dem Spott der Kinder aussetzen.